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Das Handwerk in Bezug zur Kleidung im Mittelalter

Im Folgenden Essay soll auch einzelne Aspekte des Handwerks im Zusammenhang mit dem
mittelalterlichen Grundbedürfnis der Kleidung eingegangen werden.
Durch die Erweiterung der Mode im Spätmittelalter begann sich auch das Handwerk, welches sich
mit der Produktion von Kleidung beschäftige, weiter zu differenzieren und es kam zu einem
Aufschwung des Handwerks und Handels. An der Wende zum Spätmittelalter trat die hausgewebte
und hausgeschneiderte Kleidung in den Hintergrund, da für die neue Mode handwerkliches Können
und spezialisiertes Handwerk nötig geworden waren. So entsteht auch der Beruf des Schneiders, der
zu Anfangs nicht aus der späteren Tätigkeit des Nähens, sondern aus dem bloßen zu schneiden der
Stoffe ableitet. Dieser neue Beruf wurde wegen der Betonung der Taille und den neuen Schnitten
der Kleidung notwendig, jedoch bedeutete dies nicht, dass es zu einem großen Aufschwung des
Schneidergewerbes kam, da im ausgehenden Mittelalter die Kleiderschnitte oft und schnell geändert
wurden und nicht alle Schneider, diese umsetzten.
Durch die Aufteilung der verschiedenen Arbeitsgänge bei der Herstellung von Kleidung kam es zu
einer starken Spezialisierung des Handwerkes, so wurde jeder einzelne Arbeitsablauf im Bereich
der Textilherstellung von einem eigenen Handwerkszweig erledigt wie zum Beispiel das Spinnen,
Weben, Bleichen oder Färben. Besonders das Färberhandwerk entwickelte sich, da nun immer mehr
farbige Stoffe nachgefragt und hergestellt wurden. Die Färber benutzten unterschiedliche Farbstoffe
zum färben, die sie aus Beeren, Rinden, Blättern oder Oxydationsprodukten gewannen. Durch das
Handwerk des Färbens wurden nicht nur die Rezepte zum Färben von Stoffen, sondern auch das
Wissen zum Pflegen dieses erweitert zum Beispiel durch das „Nürnberger Kunstbuch“, welches
Färberrezepte, Waschanleitungen und andere Tipps enthält.
Diese starke Differenzierung des Textilgewerbes wurde allerdings teilweise durch
Kleiderordnungen,Erlasse die die zulässige Bekleidung und den Schmuck für die einzelnen Stände
festlegten, eingeschränkt. Zum Beispiel durften die Schuhmacher in Speyer nur noch bestimmte
Schuhe schustern.
Stoffe und andere Produkte, die nicht selber hergestellt werden konnten, wurden durch Handel
erworben. Diese trifft besonders auf die begehrten Stoffe aus dem Orient, Damast, Baldachin und
andere Samt-und Seidengewebe, zu, die über Venedig und Genua nach Europa eingeführt wurden
und später dort auch in ähnlicher weise selbst produziert wurden. Jedoch waren diese Stoffe zum
größten Teil noch einfarbig und nicht gemustert. Gemusterte Stoffen waren auch generell nur dem
Adel, also den Reichsten zugänglich, da diese entsprechend viel kosteten. Die einfache Bekleidung
der Menschen waren dagegen einfarbig aber in der Regel wurde für jedes Kleidungsstück eine
andere Farbe verwendet, wodurch ein sehr farbenprächtiger Alltag entstand, da auch besonders
leuchtende und reine Farben bevorzugt wurden. Jedoch kennzeichnet sich die Kleidung der
einfachen Menschen, des Volkes durch gebrochene Farben und Erdtöne aus. Somit lässt sich sagen,
dass die Kleiderfarbe ein Kennzeichen des Standes war. Aber nicht nur die Kleiderfarbe, sondern
auch der Schnitt der Kleider war ein sichtbares Zeichen der Standesunterschiede, so waren die
Gewänder von höheren Ständen enger geschnitten, da sie weniger dem praktischen Nutzen und dem
Alltag dienen mussten.
Die Kleidung des Spätmittelalters zeichnet sich aber nicht nur durch ihre Farbigkeit aus, sondern
auch durch weitere Verzierungen aus, so wurden viele kleine bunte Stoffstücke zu Kleidern
zusammengesetzt oder man setzte Zaddeln, lange Streifen und Zacken, an die Kleidung oder
bestickte diese, wodurch diese wiederum kostspieliger wurde. Auch eine steigende Anzahl von
schmückenden Elementen der Kleidung tritt auf, die in eigenen Handwerksbetrieben hergestellt
werden mussten. Zum Beispiel die Verwendung von Pelzen und Schmuck an Gürteln, welche auch
praktische Funktionen erfüllten. Wie bereits bei der Farbigkeit der Kleidung erwähnt markierten
auch die mittelalterlichen „Accessoires“ die Zugehörigkeit zu einem gewissen Stand, da bis auf
wenige Ausnahmen nur Edelleute überhaupt Pelz tragen konnten und sich diesen aus leisten. Des
Weiteren werden verstärkt andere Ziergegenstände an der Kleidung befestigt wie Schellen oder
Schnallen, wodurch es auch hier zu einer Verstärkung und Ausdehnung des Gewerbes kommt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die neuen Modeerscheinungen im späten Mittelalter
es zu einer Differenzierung der Kleidung auf der einen und einer des Handwerks, welches von der
Herstellung dieser abhängig war, gekommen ist.

Literatur:

Kühnel,Harry (Hg.): Alltag im Spätmittelalter, Graz 1984, S. 244- 248